Technik
Warum wir im Eiswasser summen
Ein tiefer Ton beim Ausatmen. Mehr braucht es nicht, damit die erste Minute im Wasser leichter wird.
Die ersten Sekunden im Eiswasser tun weh. Daran ändert Übung wenig, und sie soll es auch nicht. Was sich ändern lässt, ist das, was du in diesen Sekunden mit deinem Atem machst. Wir summen.
Was beim Summen passiert
Summen geht nur beim Ausatmen, und es geht nur langsam. Ein Ton, den du halten willst, zwingt dich zu einer langen, gleichmäßigen Ausatmung. Genau darauf kommt es an: Solange das Ausatmen länger dauert als das Einatmen, arbeitet der Körper in Richtung Ruhe. Das ist keine Willenssache, sondern eine Frage des Rhythmus.
Dazu kommt die Vibration. Man spürt sie im Hals, im Brustkorb und bis in den Kopf hinauf. Im Yoga heißt die Übung Bhramari, das Bienensummen. Die übliche Erklärung ist, dass diese Vibration den Vagusnerv anspricht, also jenen Nerv, der den Körper wieder herunterfährt. Wie viel davon die Vibration ausmacht und wie viel schlicht das lange Ausatmen, ist offen. Im Wasser merkst du vor allem, dass es hilft.
Warum es ausgerechnet im kalten Wasser hilft
Der Kälteschock läuft immer gleich ab: ein unwillkürliches tiefes Einatmen, danach schnelle, flache Atemzüge. Summen ist das genaue Gegenteil davon, und beides gleichzeitig geht nicht. Wer summt, hechelt nicht.
Der zweite Teil ist der Schmerz. Kaltes Wasser brennt auf der Haut, am stärksten an Händen und Füßen. Kinder blasen auf eine Schürfwunde, ohne dass ihnen das jemand beigebracht hätte. Dahinter steckt dasselbe Prinzip: Ein langer Ton beim Ausatmen gibt dem Kopf etwas zu tun und nimmt dem Schmerz die Spitze. Weg ist er nicht. Er wird erträglich.

So machst du es
- Ruhig durch die Nase einatmen, bevor du tiefer ins Wasser gehst.
- Beim Ausatmen einen tiefen, gleichmäßigen Ton summen, mit geschlossenem Mund.
- So lange summen, bis die Luft ausgeht, aber ohne zu pressen.
- Wieder durch die Nase einatmen und von vorne beginnen.
- Mit Tonhöhe und Lautstärke spielen. Tiefe Töne vibrieren spürbar stärker.
Drei oder vier solche Atemzüge reichen meistens, um aus der ersten Hektik herauszukommen. In der Gruppe hat es noch einen zweiten Effekt: Wenn zehn Leute im Kreis stehen und gemeinsam summen, wird es sehr schnell sehr ruhig.
Was Summen nicht ersetzt
Die Übung macht das Wasser nicht sicherer. Die Regeln gelten unverändert: nie allein, nicht springen, und raus, bevor es sich warm anfühlt. Summen hilft dir durch die erste Minute. Es ersetzt keine einzige Vorsichtsmaßnahme.
