Grundlagen
Was ist Eisbaden?
Freiwillig ins kalte Wasser und dort ruhig bleiben. Was dabei im Körper passiert, wie ein Eisgang abläuft und woran du merkst, dass es genug ist.
Eisbaden heißt, freiwillig in kaltes Wasser zu gehen und dort ruhig zu bleiben. Nicht springen, nicht kämpfen, nicht die Zähne zusammenbeißen. Der ganze Punkt ist, dass du in einer Lage die Ruhe behältst, in der dein Körper sie eigentlich verliert.
Genau deshalb ist Eisbaden auch kein Mutbeweis. Wer sich hineinstürzt und nach zwanzig Sekunden prustend wieder heraussteigt, hat den Reiz gehabt, aber nichts geübt. Geübt wird das, was zwischen dem Schock und dem Aussteigen passiert.
Eine alte Praxis, die wieder sichtbar wird
Kalte Bäder sind keine neue Erfindung. Menschen nutzen Wasser und Kälte seit Jahrhunderten als Ritual, zur Abhärtung und für ihr Wohlbefinden. In Österreich ist vor allem Sebastian Kneipp damit verbunden. Soziale Medien und die Wim-Hof-Bewegung haben das Thema wieder stärker ins Blickfeld gerückt.
Heute treffen sich Menschen nicht nur wegen der Kälte. Ein gemeinsamer Termin macht es leichter, regelmäßig zu gehen, Erfahrungen auszutauschen und aufeinander zu achten. Genau diese Verbindung aus Natur, Herausforderung und Gemeinschaft beschreibt auch der Eisbadestammtisch im Rodlbad.

Was im Wasser passiert
Sobald die Haut das kalte Wasser spürt, verengt der Körper die Gefäße in Armen und Beinen und zieht das Blut in die Körpermitte. Die Organe sollen warm bleiben, die Extremitäten sind zweitrangig. Gleichzeitig steigen Puls und Blutdruck, und die Nebenniere schüttet Noradrenalin aus.
Das alles läuft ohne dich ab. Du kannst es nicht abstellen und sollst es auch nicht. Was du beeinflussen kannst, ist deine Atmung, und über die kommst du an den Rest.
Fetzy beschreibt die Kälte deshalb als hormetischen Reiz. Man fügt dem Körper einen kleinen, kontrollierten Schaden zu, auf den er mit einer Verbesserung reagiert. In der Sportwissenschaft kennt man dieses Prinzip als Überkompensation oder Superkompensation. Ein gezielter Reiz führt dazu, dass der Körper nicht nur in die Ausgangssituation zurückkehrt, sondern stärker und leistungsfähiger wird.
Der Kälteschock, und warum die Atmung zuerst kommt
Die ersten dreißig bis sechzig Sekunden sind die heikelsten. Der Körper antwortet auf den Kältereiz mit einem unwillkürlichen tiefen Einatmen und danach mit schneller, flacher Atmung. Dieser Kälteschock ist die eigentliche Gefahr am kalten Wasser, nicht die Temperatur selbst: Wer in diesem Moment mit dem Kopf unter Wasser ist, atmet Wasser ein.
Deshalb steht bei uns die Atmung vor dem Wasser. Wer weiß, wie sich der eigene Atem in dieser Minute anfühlt und wie er sich wieder beruhigen lässt, geht anders hinein. Eine ruhige, längere Ausatmung hilft, nicht gegen den ersten Reiz anzukämpfen. Nach ein paar Malen fällt die Reaktion meist milder aus. Das ist der Teil, der sich tatsächlich trainieren lässt.

Wie ein Eisgang bei uns abläuft
- Ankommen und einordnen: was heute passiert, was du lassen darfst, wer gerade nicht ins Wasser sollte.
- Atmung zuerst, an Land. Bis du sie im warmen Zustand sicher hast.
- Langsam hineingehen, nie springen. Schultern zuletzt, Kopf bleibt oben.
- In das Wasser hinein entspannen und ruhig ausatmen, solange der erste Reiz durchläuft.
- Zwei bis vier Minuten reichen für Anfänger aus. Beim allerersten Mal darf es deutlich kürzer sein.
- Rausgehen, abtrocknen, anziehen und in Bewegung kommen. Von innen warm werden, nicht von außen.
Angeleitet wird das Ganze in kleinen Gruppen. Niemand geht allein ins Wasser, und niemand bleibt drin, weil die anderen noch drin sind.
Wie kalt ist kalt
Als Eisbaden gilt üblicherweise alles unter etwa fünf Grad Wassertemperatur. Der Salmsee liegt im Winter meist zwischen zwei und sechs Grad, im Frühjahr und Herbst deutlich darüber. Kalt genug für den vollen Reiz ist es lange vor dem Gefrierpunkt.
Die Zahl auf dem Thermometer sagt dabei weniger, als die meisten erwarten. Zwei Grad Unterschied merkt man kaum, Wind und Nässe an Land dagegen sehr. Der Weg zurück zum Auto ist oft unangenehmer als das Wasser.
Für wen es geeignet ist
Für gesunde Erwachsene, die freiwillig kommen. Fitness ist keine Voraussetzung, Vorerfahrung auch nicht. Die meisten, die zum ersten Mal dabei sind, halten sich für weniger kältetauglich, als sie sind.
Eine gewisse Grundgesundheit sollte vorhanden sein. Wer eine ernsthafte Erkrankung hat, klärt den Einstieg mit einer Ärztin oder einem Arzt ab, der Erfahrung mit Kälte hat. Fetzy hat zugleich erlebt, dass viele kranke Menschen langsam mit dem Eisbaden begonnen haben und zu regelmäßigen Eisbader:innen geworden sind. Entscheidend sind die persönliche Situation, ein langsamer Einstieg und die richtige Dosis.
Als grobe Orientierung nennt Fetzy im Interview einen Blutdruckwert von 160. Darüber ist besondere Vorsicht angesagt, weil sich die Gefäße in der Kälte verengen und der Blutdruck steigt. Unter diesem Wert macht er sich aus seiner Erfahrung grundsätzlich weniger Sorgen. Ein einzelner Messwert ersetzt bei einer bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankung trotzdem keine persönliche Abklärung.
Bei Erkältung oder Fieber sollte man nicht ins kalte Wasser, weil der Körper seine Energie bereits für die Heilung braucht. Bei den allerersten Anzeichen, etwa einem Kratzen im Hals, hat Fetzy dagegen oft erlebt, dass der Kältereiz dem Immunsystem einen Boost gibt und hilft, noch die Kurve zu kratzen. Seine Empfehlung lautet: Hör auf dein Gefühl.
Auch eine Schwangerschaft ist für Fetzy kein pauschales Verbot. Wer schon vor der Schwangerschaft regelmäßig eisbaden war und die Kälte als positiven Stress erlebt hat, kann individuell anders entscheiden als eine Anfängerin. Fetzy hat schwangere Frauen begleitet, die weiter eisbaden waren und eine wunderbare Geburt hatten. Ein Neueinstieg und das Fortsetzen einer vertrauten Routine sind zwei verschiedene Situationen.
Was danach passiert, ist genauso wichtig wie das Wasser selbst. Die Regeln dazu stehen auf einer eigenen Seite, weil an dieser Stelle die meisten Fehler passieren.

